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Resümee und Ausblick

In diesem Band wurde zunächst das noch sehr junge Submodalitätenkonzept in ein Gesamtmodell des Neurolinguistischen Programmierens eingeordnet und ausführlich dargestellt (Kap. 1 bis 6). Insbesondere wurde herausgearbeitet, daß im NLP bestimmte Voraussetzungen für die Wirksamkeit submodaler Interventionen für unabdingbar gehalten werden. Dazu gehören vor allem

Hieraus ergibt sich für jede zukünftige Forschung, die Aussagen über die Wirksamkeit einzelner Interventionsmodelle des NLP mit Hilfe von Submodalitäten machen möchte, die Notwendigkeit, diese Wirkungs-Voraussetzungen zu beachten. Andernfalls könnten zwar allgemeine Aussagen über die Wirkung submodaler Veränderungen gemacht werden, nicht aber über ihre Wirksamkeit im Rahmen des NLP; es sei denn, es würde sich herausstellen, daß die Wirkung submodaler Interventionen ganz unabhängig von den genannten Voraussetzungen eintritt.

Weiterhin konnte beim Vergleich mit ähnlichen Ansätzen der jüngsten kognitiven Psychologie (Abschnitt 2.1) gezeigt werden, daß die Elaboration des Submodalitätenkonzepts, vor allem, was die in ihm postulierten veränderungswirksamen Synästhesien zwischen den Submodalitäten verschiedener Repräsentationssysteme anbelangt, über alle anderen Ansätze hinausgeht, daß sie aber durchaus als konsequente Weiterentwicklung bisheriger Forschungsergebnisse angesehen werden kann. So erscheint es dem Autor wahrscheinlich, daß sich die verwandten Ansätze der kognitiven Psychologie in naher Zukunft ebenfalls mit Synästhesien zwischen Submodalitäten verschiedener Repräsentationssysteme beschäftigen werden - was sehr zu begrüßen wäre, da so die notwendige Grundlagenforschung zum Thema vorangetrieben würde, die im Rahmen einer Forschung zum NLP allein kaum geleistet werden könnte.

Beim Vergleich mit imaginativen Verfahren anderer Schulen (Kap. 7) konnten sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zum NLP-Ansatz deutlich gemacht werden. Zu einigen der von den jeweiligen Schulen selbst für die Wirksamkeit ihrer Interventionen herangezogenen Erklärungen wurden alternative, möglicherweise besser treffende, Erklärungen auf Basis des Submodalitätenkonzepts vorgeschlagen. Außerdem wurden Integrationsmöglichkeiten submodaler Elemente sowohl für die Diagnose als auch für die Interventionen anderer Schulen aufgezeigt. Für die Zukunft wäre zu wünschen, daß sich diese Schulen - trotz des vielfach vorherrschenden gegenseitigen Abgrenzens und Ignorierens - tatsächlich mit dem Submodalitätenkonzept auseinandersetzen würden, um so seine Möglichkeiten und Grenzen auch außerhalb des NLP zu erproben.

Schließlich wurde die bisherige Kritik an Grundannahmen und Methoden des NLP (Kap. 8) zusammenfassend dargestellt und bewertet. Anhand zahlreicher Beispiele konnte gezeigt werden, daß die negativ intonierte Kritik vielfach entweder unzutreffend ist, da Teilaussagen des NLP ohne ihren unbedingt relevanten Zusammenhang bewertet und/oder als Ausgangsbasis für Untersuchungen verwendet wurden, oder aber sachlich zwar berechtigt, bewertungsmäßig aber irrelevant ist. Ursache hierfür ist in vielen Fällen vermutlich der Stil, in dem die meisten NLP-Veröffentlichungen verfaßt sind: Hinweise auf relevante Zusammenhänge und Voraussetzungen fehlen häufig ganz, stehen ohne entsprechende Verweise an anderer Stelle und/oder sind nur für NLP-Insider verständlich. So sind Mißverständnisse geradezu vorprogrammiert.

Besonderes Gewicht wurde in diesem Zusammenhang der von Einspruch und Forman (1985) geleisteten Meta-Kritik an den bis dahin bekanntgewordenen empirischen Untersuchungen über einzelne Aspekte des NLP beigemessen. Sie bestätigt und ergänzt die Bewertung des Autors; deshalb schloß er sich am Ende den sich aus der Kritik von Einspruch und Forman (1985) ergebenden Postulaten und Empfehlungen für die zukünftige Forschung an. Weitmöglichst berücksichtigte er sie auch im empirischen Teil der Arbeit.[1]


In diesem werden Aufbau, Durchführung und Auswertung einer empirischen Pilotstudie zu drei Basis-Modellen des Submodalitätenkonzepts dargestellt und begründet. Die überwiegend positiven Ergebnisse lassen zwar wegen des notwendigerweise begrenzten Forschungsrahmens noch keine Verallgemeinerungen zu, zeigen aber, daß bei Beachtung der Empfehlungen von Einspruch und Forman (1985) positive Ergebnisse erzielbar sind, und können darüber hinaus zu weiteren Untersuchungen - vor allem auch im Vergleich mit Verfahren anderer Schulen und/oder bezogen auf komplexere submodale Interventionsmodelle anregen.


Welche Bedeutung die grundsätzliche Idee des NLP - mit Hilfe submodaler Veränderungen emotionale und physiologische Zustände und Prozesse zu beeinflussen - in Zukunft haben wird, ist heute noch nicht abzusehen. Um längerfristig bedeutsam zu sein, müßte ein Wirksamkeitsvorsprung oder zumindest eine gleichwertige Wirksamkeit wie bei ähnlichen Interventionen anderer Schulen nachgewiesen werden. Der Autor kann sich sowohl vorstellen, daß das gesamte Konzept bald wieder vergessen wird, als auch, daß es eines Tages gewissermaßen zur Allgemeinbildung gehört, daß also Kinder[2] bereits sehr früh Möglichkeiten der Selbstbeeinflussung mit Hilfe von Submodalitäten lernen und die Mehrheit der Erwachsenen sie wie selbstverständlich im Alltag verwendet.


1 Der empirische Teil erscheint als Band 2 der Arbeit voraussichtlich im Frühjahr 1993 im Junfermann Verlag.

2 An Kindern durchgeführte (Langzeit-)Untersuchungen könnten im übrigen besonders interessant und aufschlußreich für die weitere Forschung zum Submodalitätenkonzept sein, da Kinder ja ohnehin vielseitig in und an Vorstellungswelten operieren.

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Dr. Rupprecht Weerth, Bochhorststr. 162, D-48165 Münster, Tel. 02501-924544