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Vorwort

Das vorliegende Buch von Rupprecht Weerth ist einer jener allzu seltenen Glücksfälle, in denen es einem Autor gelingt, eine wissenschaftlich präzise Diktion mit einer auch für Praktiker spannenden und relevanten Darstellungs- und Argumentationsweise zu vereinen. Erstmals findet man die recht umfangreiche und in ihrem Charakter ziemlich heterogene Literatur über "Neurolinguistisches Programmieren (NLP)" bis in allerjüngste Zeit hinein didaktisch so geschickt aufbereitet und verdichtet, daß das Ergebnis sowohl für den in NLP bereits "Eingeweihten" und Fachmann als auch für den "Laien" (in diesem Bereich) von hohem Wert sein dürfte. Auch wenn in einzelnen Kapiteln das Submodalitätenkonzept des NLP eine besonders zentrale Rolle spielt, kann dieses Buch auch für den Gesamtbereich des NLP in Anspruch nehmen, erstmals einen systematischen einführenden Überblick unter Berücksichtigung auch der aktuellen Literatur und Trends (die teilweise sogar erst im Begriff stehen, veröffentlicht zu werden) zu leisten.

Diese gelungene Aufarbeitung des Diskussionsstandes zum Bereich NLP - einschließlich der veröffentlichten Kritik - ist auch deshalb besonders verdienstvoll, weil eigentlich seit langem ein solches Buch überfällig war: Klafft doch eine empfindliche Lücke zwischen dem innovativen, weitreichenden und für psychische Prozesse höchst relevanten NLP-Konglomerat aus Behauptungen, Hypothesen und Grundannahmen als Basis der Interventionstechniken einerseits und den eher praktisch und pragmatisch ausgerichteten Darstellungen andererseits - und zwar sowohl bei den Urhebern, Bandler und Grinder, als auch in der NLP-"Szene". Dies hat mit dem Selbstanspruch der Gründer und wichtigsten Vertreter zu tun, nämlich ein radikal auf praktische Bedürfnisse hin konzipiertes Bündel aus erfolgversprechenden Vorgehensweisen, primär gewonnen aus den Beobachtungen einiger "Meister" (und nur schwach verbunden durch eher unsystematische Begründungen) auf- und auszuarbeiten (wobei das Submodalitätenkonzept die bisher einzige originäre NLP-Entwicklung darstellt). Allerdings wird diese Selbstbeschränkung der NLP-Literatur gegenüber Forderungen einer theoretischen Gesamtkonzeption, die auch eine systematische Überprüfung der zentralen Hypothesen ermöglichen würde, besonders deshalb als unbefriedigend empfunden, weil oft auf fundamentale Ansätze als "Begründungen" verwiesen wird - so z.B. auf Chomskys Transformationsgrammatik oder auf Batesons kognitive Ökologie etc.

Aus diesem Grunde teilen auch die Urteile über NLP, dessen grundlegende Ideen und Techniken, wohl mehr noch als ohnehin bei neuen Ansätzen üblich, die damit befaßten Menschen in zwei Lager: Auf der einen Seite, besonders in den Reihen der Praktiker, enthusiastisch Begeisterte (wenn auch aus unterschiedlichen Motiven und auf unterschiedlichem Kenntnisstand); auf der anderen Seite, besonders unter den vergleichbar wenigen Wissenschaftlern, die sich überhaupt mit NLP beschäftigten, deutliche Skepsis bis Ablehnung (wobei die obige Klammer auch hier gilt). Die nicht selten reißerische Aufmachung in der Werbung für NLP-Trainings als super-effizienten Ansatz kognitiver Beeinflußbarkeit stand allzusehr im unguten Kontrast zum unstrukturierten theoretischen Wildwuchs der publizierten Grundlagen - ein Urwald, der manchen durchaus ernsthaft interessierten Forscher vor dem Versuch zurückschrecken ließ, in die abenteuerliche Sichtung, Prüfung und Bergung möglicher Schätze allzuviel Zeit zu investieren. Die darin begründete Abstinenz gegenüber NLP gilt übrigens auch für mich selbst - freilich mit ungutem Gefühl, mußte doch jedem, der überhaupt an kognitiven Prozessen interessiert ist, klar sein, daß in den Konzepten eine Herausforderung für Forschung und Praxis der kognitiven und klinischen Psychologie steckt, der eigentlich nicht mit "Ignorieren" zu begegnen wäre.

Damit wird nun auch nochmals die Leistung von Weerth deutlich, mit diesem Buch erstmals eine präzise und gut lesbare Landkarte des o.a. Urwaldes gezeichnet zu haben, die nun auch Wege zwischen den einzelnen Konzeptteilen aufzeigt und damit eine Sichtung des gesamten "Geländes" für Praktiker und Wissenschaftler besser gangbar macht - womit nun endlich auch Möglichkeiten theoretisch begründeter Forschung mit vertretbarem Aufwand eröffnet werden (erste exemplarische Schritte dazu sind von Weerth bereits selbst demonstriert worden und finden sich im 2. Band dokumentiert).

Es können somit Praktiker und Wissenschaftler gleichermaßen von diesem Buch profitieren, dem ich eine hohe Verbreitung und einen entsprechenden Stellenwert in der Diskussion um kognitive Konzepte und Interventionsmethoden wünsche!

Osnabrück, im April 1992         Prof. Dr. Jürgen Kriz

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Dr. Rupprecht Weerth, Bochhorststr. 162, D-48165 Münster, Tel. 02501-924544