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3.2.2.2 Nonverbale Hinweise

Die, größtenteils bewußte, verbale Kommunikation stellt nur einen kleinen Teil des gesamten Kommunikationsprozesses dar; die, weitgehend unbewußten, nonverbalen Anteile wie Tonfall, Mimik und Körpersprache sind ebenso wichtig, wenn nicht sogar dominanter als diese. Soweit herrscht heute im Bereich von Psychologie und Pädagogik weitgehende Übereinstimmung. Laut Dilts et al. (1980/1985) geben dementsprechend analog zu den verbalen Hinweisen auch zahlreiche unbewußte, nonverbale Verhaltensmuster Hinweise auf RS, Submodalitäten und Strategien.[1] Genauer gesagt, postulieren sie, daß zu jedem Zeitpunkt das gerade dominante RS einer Person durch nonverbale Zugangshinweise für einen außenstehenden Beobachter erkennbar ist und viele Submodalitäten ebenfalls allein durch Beobachtung identifizierbar sind. Möglichst zahlreiche nonverbale Zugangshinweise sollen vom NLP-Anwender während der Strategie-Evokation registriert und miteinander und mit den verbalen Hinweisen verglichen werden.

Im folgenden werden zunächst kurz die relevantesten nonverbalen Hinweise[2] auf die RS - insbesondere durch Augenbewegungen, aber auch durch Gesten, Atemmuster, Körperhaltungen und Stimmqualitäten[3] - aufgeführt, sodann folgt die Darstellung einiger submodaler Zugangshinweise.

Vor allem anderen ist NLP bekannt geworden durch seine Behauptung, daß zwischen bestimmten Augenbewegungen und bestimmten RS - sogar unterschieden nach erinnert und konstruiert - weitestgehende Korrelationen bestehen. Diese Behauptung konnte bisher nicht belegt werden, was u.a. zu dem in Fachkreisen nicht besonders guten Ruf von NLP beigetragen hat. Nähere Einzelheiten dazu folgen in Kapitel 8 "Kritik an Grundannahmen und Methoden des NLP". Hier sollen lediglich kurz die Beziehungen zwischen Augenbewegungen und RS, wie sie das NLP postuliert, dargestellt werden.

Die zahlreichen Augenbewegungsmöglichkeiten sind in diesem NLP-Modell in sechs Grundrichtungen zusammengefaßt, die jeweils die dominante Aktivierung eines näher bestimmten RS anzeigen sollen. Prinzipiell gelten alle Angaben nur für interne Aktivitäten der RS, bei externer Wahrnehmung richten sich die Augenbewegungen selbstverständlich nach der Position des wahrzunehmenden Gegenstandes. Zum besseren Verständnis erfolgt zunächst die Darstellung der einzelnen Zuordnungen, wie sie Bandler und Grinder (1979/1986a) für die Mehrheit der Rechtshänder angeben (s. auch Abb. 2). Alle Angaben verstehen sich aus der Sicht der beobachteten Person:

Darüber hinaus wird noch eine siebte Blickrichtung erwähnt, die aber keine eindeutige Zuordnung erlaubt:

NLP Augenbewegungsmuster

Abb. 2: Bestimmte Augenbewegungsmuster korrelieren mit dem aktuell dominanten internen RS einer Person und geben zudem teilweise darüber Auskunft, ob es sich um erinnerte oder konstruierte Aktivitäten handelt. Die vorliegende Darstellung gibt sechs der insgesamt sieben Muster wieder, wie sie für die Mehrheit der Rechtshänder gelten sollen.

Für Linkshänder sollen i.d.R. die umgekehrten, spiegelbildlich vertauschten, Gesetzmäßigkeiten gelten. Die Schnelligkeit, mit der zwischen verschiedenen Augenpositionen gewechselt wird, sowie der Abweichungsgrad jeder Bewegungsrichtung von der mittleren Ruheposition schwankt intra- und interpersonell ganz erheblich. Begleitet werden die Augenbewegungen mit ebenfalls unterschiedlich stark ausgeprägten Kopfbewegungen in die gleiche Richtung. Bandler und Grinder (1979/1986a) weisen darauf hin, daß eine Selbstbeobachtung hinsichtlich der eigenen Augenbewegungsmuster nicht möglich ist.

Außerdem wird in der NLP-Literatur immer wieder ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die angegebenen Muster keineswegs allgemeingültig sind, daß jede Person über eine ihr eigene, u.U. erheblich von den Standardmustern abweichende, jedoch deutlich identifizierbare Systematik verfügt (Bandler & Grinder, 1979/1986a; Dilts et al., 1980/1985).

Zur Überprüfung, welche Muster bei einer Person vorherrschen, geben Bandler und Grinder (1979/1986a) sehr konkrete sinnesspezifische Fragen und/oder Aufforderungen, die jeweils nur auf eine der zu elaborierenden Augenbewegungen abzielen, als Methode an. Während und unmittelbar nach dem Stellen der Frage bzw. nach der Aufforderung sind dann die Augenbewegungen der Modell-Person zu registrieren, was für jede der sechs Hauptrichtungen (s.o.) mehrmals zu wiederholen ist, bis eine eindeutige Zuordnung möglich wird. Für jede Bewegungsrichtung soll hier ein Fragebeispiel gegeben werden:

Ver: "Wie sieht Ihr Wintermantel aus?"

Vk: "Wie würde ein rosa Elefant mit blauem Rüssel aussehen?"

Aer: "Wie klingelt Ihr Telefon?"

Ak: "Wie klänge es, wenn ein Elefant singen würde?"

Aid: "Überlegen Sie sich, was Sie als nächstes sagen wollen!"

K: "Wie fühlt sich ein Tannenzapfen an?"

Im optimalen Fall blickt die Modellperson bei jedem Fragetypus in eine bestimmte, sich wiederholende Richtung. Der Elaborationsprozeß gestaltet sich allerdings nicht immer so einfach, da keineswegs davon ausgegangen werden kann, daß bei einer Modell-Person auf eine gezielte Frage hin sofort das entsprechende RS dominieren wird. Einmal kann es sein, daß die Antwort auf die Frage bereits in einem anderen RS, bei kinästhetischen Fragen z.B. im visuellen oder digitalen, gespeichert ist und von dort abgerufen wird[4], zum anderen kann es sein, daß die Modell-Person in ihrer Strategie, die sie zur Beantwortung der Frage benutzt, vor der Verwendung des Antwort-relevanten RS ein oder mehrere andere RS aktiviert.[5] Beispielsweise könnte eine Antwort-Strategie auf obige kinästhetische Frage folgende relevanten Schritte enthalten:

Aid (Interne Wiederholung der Frage: Wie fühlt sich ein Tannenzapfen an?) Pfeil

Ver (Visuelle Erinnerung an einen Tannenzapfen) Pfeil

Vk (Visuelle Konstruktion, diesen Tannenzapfen anzufassen) Pfeil

K (Kinästhetische Vorstellung, wie sich ein Tannenzapfen anfühlt).

Vielleicht hat die Person also, nachdem sie die Frage gehört hat, zunächst nach links unten geblickt (Aid), dann nach links oben (Ver), dann nach rechts oben (Vk) und zum Schluß nach rechts unten (K). Dann wäre tatsächlich von außen ihre Strategie beobachtbar gewesen und die NLP-Standard-Zuordnung für einen Rechtshänder könnte für diesen Fall bestätigt werden. Nur ist dieser gesamte Prozeß kaum überprüfbar, da ja die einzelnen Schritte einer Strategie nicht alle bewußt ablaufen, so daß die Modell-Person nicht im Nachhinein gefragt werden kann, welche strategischen Schritte sie tatsächlich zur Antwortfindung durchlaufen hat.

Trotz all dieser Schwierigkeiten, die von NLP-Anwendern durchaus gesehen und berücksichtigt werden (T. Stahl, persönl. Mitteilung, 1988), können vielfach während der Arbeit mit Klienten spezifische, sich wiederholende Augenbewegungsmuster festgestellt werden. Diese können dann zusammen mit allen anderen nonverbalen Informationen (s.u.) und den verbal geäußerten sinnesspezifischen Prädikaten als Hinweise auf die einzelnen Schritte einer Strategie dienen; wirklich eindeutige Aussagen sind mit ihrer Hilfe sicherlich ebenso wenig möglich wie mit den übrigen, im folgenden dargestellten nonverbalen Hinweisen.

Neben den Augenbewegungen führen Dilts et al. (1980/1985) eine Fülle weiterer nonverbaler Verhaltensweisen auf, die Hinweise auf die gerade vorrangig verwendeten RS geben können; im Rahmen dieser Arbeit soll eine stichwortartige Auswahl genügen:

Mit Gesten deuten Personen mitunter auf das gerade dominierende Sinnesorgan oder berühren es; ein interner Dialog ist häufig dadurch gekennzeichnet, daß die Person mit einer Hand das Kinn streicht oder den Bereich um Mund, Nase oder Kinn berührt oder den Kopf auf eine Hand oder eine Faust stützt oder mit Gegenständen herumspielt.

Verschiedene Atemmuster deuten auf bestimmte RS, sowohl in ihrer internen als auch in ihrer externen Form, hin:

Verschiedene Körperhaltungen geben ebenfalls Hinweise:

Stimmlage und Sprechtempo erlauben folgende Zuordnungen:

Folgende grobe Faustregel, die obige Angaben noch einmal zusammenfaßt, läßt sich für die Zuordnung der verschiedenen Zugangshinweise aufstellen:

Die meisten Körpersignale (Augenbewegungen, Stimme, Atmung und Körperhaltung) sind

Über nonverbale submodale Zugangshinweise finden sich in der NLP-Literatur bis heute noch keine entsprechend differenzierten Angaben; die folgenden stützen sich im wesentlichen auf eine stichwortartige Liste von Bretto (1988) sowie (allerdings keineswegs durchweg feststellbare und bisher noch nicht weiter überprüfte) Beobachtungen des Autors:

Hinweise auf interne auditive Submodalitäten bieten alle extern hörbaren Submodalitäten, während die Modellperson über eine bestimmte Erfahrung spricht. Die Lokalisierung der internen Schallquelle wird zudem in einigen Fällen durch Gesten und/oder Kopfhaltung (Neigung, Drehung etc.) angezeigt.

Die Hinweise auf interne visuelle Submodalitäten sind nicht so gut und relativ eindeutig zu erkennen wie die auditiven. Am besten wahrnehmbar sind die Lokalisierung, Größe, Schärfe, Bewegungsrichtung und Bewegungsgeschwindigkeit eines internen Bildes:

Die Hinweise auf interne kinästhetische Submodalitäten sind vielfältig. Jeder gute Arzt bezieht sie ständig in seine Diagnosen mit ein, und nahezu jeder Mensch deutet sie mehr oder weniger gekonnt, um die Gemütsverfassung anderer Menschen besser einschätzen zu können. Gesten, Körperbewegungen, Muskelan- und -entspannungen, Schweißbildung, Durchblutung, kurz das gesamte Spektrum dessen, was gemeinhin unter Körpersprache verstanden wird, kann Hinweise auf die kinästhetischen Submodalitäten, z.B. Intensität, Temperatur, Lokalisierung, Bewegungsart und Ausbreitungsgebiet, geben.

Weiterhin ist eine dissoziierte Wahrnehmungsposition oftmals gekennzeichnet durch eine eher zurückgelehnte Haltung von Kopf und Körper mit relativ geringen Körperbewegungen; und eine assoziierte Wahrnehmungsposition im Gegensatz dazu durch eine eher nach vorne geneigte Kopf- und Körperhaltung mit mehr Körperbewegungen (C. Andreas & S. Andreas, 1987/1988, S. 226).

Darüber hinaus gibt der englische NLP-Trainer Robbie an, zahlreiche Augenzugangshinweise speziell für Submodalitäten entdeckt zu haben. Die von ihm 1988 angekündigte diesbezügliche Veröffentlichung liegt dem Autor aber bis heute nicht vor, so daß an dieser Stelle nicht beurteilt werden kann, inwieweit seine Erkennungsmuster über die oben aufgezeigten Möglichkeiten hinausgehen.

Im deutschen NLP, wie es Stahl und seine Schüler vertreten, wird besonderer Wert darauf gelegt, bei jeder Modellperson die individuellen Muster der speziell von ihr ausgedrückten submodalen Zugangshinweise zu entdecken. Dies kann einmal durch längere Beobachtung geschehen, indem der NLP-Anwender Körpersignale und die tonalen Anteile der Sprache seiner Modellperson, während sie ihre submodalen Erfahrungen verbalisiert, wahrnimmt und dabei auf wiederkehrende Muster (Korrelationen) achtet. Zum anderen besteht die Möglichkeit, ähnlich wie bei der Ermittlung der Augenbewegungsmuster, der Modellperson Aufgaben zu stellen, die darin bestehen, bestimmte interne Submodalitätsveränderungen vorzunehmen, und währenddessen wiederum die physiologischen Korrelate zu beobachten. Broichhagen (1988) bewertet und erläutert diese Vorgehensweise wie folgt:

Erfahrungen in der Ausbildung zeigen, daß ein dreistündiges "Rate-Training" im Erkennen der äußeren Äquivalente internaler Submodalitäten eine erstaunliche Treffsicherheit erbringt. Man kann dies leicht zusammen mit einem Freund oder Kollegen ausprobieren:

Bitten Sie ihn, an ein gefühlsmäßig neutrales Bild zu denken. Bitten Sie ihn dann, eine Submodalität in beide Richtungen zu verändern: "Mach das Bild einmal kleiner ... jetzt mach es größer ..." Wenn Sie Ihren Partner bitten, den Wechsel von einer extremen Ausprägung zur anderen schnell durchzuführen, können Sie die Veränderungen besser beobachten, da der Kontrast stärker ist. ... Es ist wichtig, daß Ihr Partner nur eine Submodalität auf einmal verändert, da sonst die Äußerungen, die sie von außen beobachten können, zusammengesetzt sind aus den Veränderungen mehrerer Submodalitäten, und das kann sehr verwirrend sein. Wenn Sie eine feine Bewußtheit für Ihre eigene Kinästhetik haben, können Sie den Versuch auch bei sich selbst durchführen: Verändern Sie eine Submodalität in einem neutralen Bild nach beiden Richtungen, und fühlen Sie, wie sich dabei Ihr Muskeltonus verändert. (S. 134 f.)

Für andere als die in diesem Beispiel beobachtete Submodalität (Größe) kann das beschriebene Verfahren, das in entsprechend angepaßter Form auch mit Klienten durchführbar ist, in gleicher Weise genutzt werden.


1 Zur Begründung führen sie zwei systemtheoretische Grundannahmen an:

"a) Jedes Ereignis in einem Teil des Systems (wie dem neurologischen und biologischen System, aus dem der Mensch besteht) affiziert notwendigerweise alle anderen Teile des Systems. Wenn die Interaktionsmuster zwischen Systemteilen identifiziert sind, dann können die gegenseitigen Effekte der Systemteile aufeinander vorhergesagt und benutzt werden.

b) Alles menschliche Verhalten (Makro- und Mikroverhalten) ist eine Transformation innerer neurologischer Prozesse und trägt deshalb Informationen über diese Prozesse in sich. Alles Verhalten ist deshalb in irgendeiner Form eine Kommunikation über die neurologische Organisation des Individuums. Ein Mensch kann nicht nicht kommunizieren." (Dilts et al., 1980/1985, S. 94)

2 Einmal mehr geben Dilts et al. (1980/1985) nicht differenziert an, wie sie diese Zugangshinweise gefunden und bestätigt haben: "Die Muster und Verallgemeinerungen, die wir in bezug auf Zugangssignale anbieten, können durch experimentelle Forschung gestützt werden und sind durch experimentelle Forschung gestützt worden. Wir haben uns aber dazu entschlossen, die Verallgemeinerungen und Muster einfach so zu präsentieren, wie wir sie im nützlicheren Kontext unserer professionellen Praxis beobachtet haben. Wir zeigen keine Zahlen, Tabellen oder Graphiken." (S. 95)

3 Neben den hier genannten Zugangshinweisen, hat Dilts auch "die Beziehungen zwischen dem EEG und Repräsentationssystemen untersucht. Er konzentrierte sich dabei besonders auf die Korrelationen zwischen dem primären oder am höchsten bewerteten Repräsentationssystem und den normalen EEG-Mustern eines Menschen bei geschlossenen und geöffneten Augen... [Dabei] hat sich eine interessante Beziehung ... gezeigt." (Dilts et al., 1980/1985, S. 115) Hierauf soll aber nicht im einzelnen eingegangen werden.

4 Aus diesem Grunde empfehlen Bandler und Grinder (1979/1986a), nicht zu einfache Fragen zu stellen, sondern möglichst solche, die für die Modell-Person neu sind.

5 Bandler und Grinder (1979/1986a) führen daher zusätzlich ein sogenanntes Leitsystem ein, womit sie das RS bezeichnen, das eine Person vorrangig als erstes benutzt, um überhaupt Zugang zu gespeicherten Informationen zu erhalten, also das von Person zu Person variierende RS, das am Beginn jeder ihrer kognitiven Strategien steht. Die Postulierung eines solchen Leitsystems begründen sie mit ihrer Beobachtung, daß viele Menschen, unabhängig vom Fragetyp zunächst immer in eine bestimmte Richtung blicken und sich erst dann dem Fragetyp entsprechend verhalten. Über ein derartiges Leitsystem scheinen aber nur manche Menschen zu verfügen.

6 Diese Aussage steht in einem gewissen Widerspruch zu dem oben dargestellten, ursprünglichen Augenbewegungsmodell des NLP, was darauf hindeutet, daß die Beziehungen zwischen Augenbewegungen und kognitiver Repräsentation, falls es sie in dieser Art überhaupt gibt, komplexer und vielschichtiger sind, als bisher im NLP angenommen und postuliert wurde. Im Rahmen dieser Arbeit soll hierauf nur hingewiesen werden; eine Klärung bedarf weiterer Arbeiten mit anderen Schwerpunkten.

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Dr. Rupprecht Weerth, Bochhorststr. 162, D-48165 Münster, Tel. 02501-924544