Zurück • Weiter

6. Interventionsmodelle unter Verwendung von Submodalitätsveränderungen

Um ein möglichst umfassendes Verständnis des Submodalitäten-Konzepts zu ermöglichen, wurde in den bisherigen Kapiteln zunächst der Stellenwert erörtert, der den Submodalitäten innerhalb kognitiver Repräsentationstheorien beigemessen wird (Kap. 2), sodann ihre Bedeutung und die Möglichkeiten ihrer Evokation innerhalb kognitiver Strategien (Kap. 3) besprochen; anschließend erfolgte ihre überwiegend theoretische Einordnung in den Gesamtrahmen des NLP-Persönlichkeits-Modells (Kap. 4) sowie die Erläuterung wesentlicher Voraussetzungen, Vorgehensweisen und Techniken praktischer Anwendung in Beratungs- und Lernkontexten (Kap. 5). Damit wird es in diesem Kapitel möglich, konkrete Veränderungs- bzw. Interventionsmodelle, die schwerpunktmäßig auf der Veränderung von Submodalitäten beruhen, darzustellen: zunächst relativ allgemeine Basis-Modelle (6.1), und danach spezifische Modelle mit relativ festgelegten Indikationen (6.2). Zuvor jedoch erscheinen noch einige Vorbemerkungen sinnvoll.

Die in diesem Kapitel aufgeführten Interventionsmodelle stellen eine (nach Ansicht des Autors[1]) repräsentative Auswahl der im NLP bisher entwickelten Möglichkeiten zur effektiven Veränderungshilfe mit Submodalitäten dar. Die einzelnen Modelle werden im NLP eher als Ideenlieferanten denn als feste Anleitungen verstanden, sollen dem Anwender aber in jedem Fall eine gewisse Richtschnur geben, an der er seine Interventionen orientieren kann und zu der er auch, wenn der aktuelle Prozeß ein Abweichen notwendig erscheinen läßt, immer wieder zurückkehren kann. Die Modelle können zudem je nach Bedarf miteinander kombiniert werden und bestehen teilweise bereits aus einer zielgerichteten Kombination einfacherer Basis-Modelle (T. Stahl, persönl. Mitteilung, 1988). Viele Modelle sind so allgemein gehalten, daß alle relevanten Submodalitäten stets neu und individuell ermittelt werden müssen; andere (in 6.2) geben bereits bestimmte, laut den NLP-Entwicklern bewährte Kombinationen von Submodalitäten vor. Alle diese Modelle sind nach der 6. NLP-Grundannahme (vgl. 1.3.2) nur solange brauchbar, wie sie den Anwender dabei unterstützen, seine Interventionen zielgerichtet zugunsten des Klienten zu strukturieren und zu lenken; in dem Moment, wo sie dies nicht mehr leisten können, ist zunächst das Modell oder die Modellkombination zu wechseln; hilft auch das nicht weiter, sollte der Anwender selbst gemäß dem grundlegenden NLP-Modellierprozeß neue Modelle entwickeln.[2]


Die manchmal ein wenig kochrezeptartige Darstellung darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Modelle, um tatsächlich wirksam zu werden, stets individuell dem jeweiligen Klienten und dem aktuellen Interaktionsprozeß angepaßt werden müssen. Die Aufrechterhaltung eines guten Rapports zwischen Berater und Klient (vgl. 5.1.2) sowie die generelle Beachtung der Ökologie (vgl. 4.1.2.2 und 5.2.5) sind wichtigste Voraussetzung für die wirkungsvolle Anwendung eines jeden Interventionsmodells; die Rapport fördernden und Ökologie beachtenden Maßnahmen haben deshalb Vorrang vor allen anderen Interventionsschritten. Die jeweils nächste sinnvolle Intervention ist daher nicht unbedingt identisch mit dem nächsten Schritt des ausgewählten Interventionsmodells, sondern ergibt sich aus dem verbalen und nonverbalen Feedback, das der Berater aufgrund seiner letzten Intervention vom Klienten erhält - was natürlich nicht ausschließt, daß dieses Feedback eben gerade den nächsten Schritt des ausgewählten Modells als sinnvoll bestätigt (C. Andreas & S. Andreas, 1987/1988; Stahl, 1988).

Wenn im folgenden davon gesprochen wird, "Submodalitäten probeweise zu verändern", impliziert dies, daß jede Submodalität nach ihrer Veränderung und vor der Veränderung der nächsten Submodalität zunächst wieder (so weit wie möglich) in ihre Ausgangslage zurückgebracht wird, so daß nach und nach jede Submodalität einzeln geprüft und die jeweils tatsächlich veränderungswirksamen Submodalitäten identifiziert werden können; falls dies nicht notwendig erscheint, kann auf das Zurückbringen in die Ausgangslage verzichtet werden (Bandler, 1985/1987, S. 39).

Bei der Anwendung der einzelnen Modelle ist es i.a. nicht sinnvoll, eine möglichst große Zahl von Submodalitätsveränderungen zu erproben bzw. durchzuführen. Einerseits könnte dies leicht zu einer Ermüdung führen und so die Weiterarbeit erschweren, andererseits reicht es i.d.R. völlig aus, ein oder zwei kritische, d.h. relevante Submodalitäten (vgl. 2.2.2) zu finden und zu verändern. In dem Moment, wo die zunächst notwendig erscheinende Zahl relevanter Submodalitäten gefunden ist, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden; sollten sich diese im nachhinein doch nicht als ausreichend erweisen, kann nach weiteren gesucht werden (T. Stahl, persönl. Mitteilung, 1987).

Darüber, welche Submodalitäten im Einzelfall bevorzugt zu überprüfen bzw. zu verändern sind, finden sich in der NLP-Literatur - außer in den Modellen mit genauen diesbezüglichen Vorgaben (s. 6.2) - nur wenig konkrete Angaben. Die Auswahl wird im wesentlichen der Intuition des Anwenders überlassen, wobei er i.d.R. dem verbalen und nonverbalen Verhalten des Klienten relevante Hinweise entnehmen kann (vgl. 3.2.2). Neben der fast immer gestellten Frage nach assoziierter oder dissoziierter Wahrnehmungsposition werden diejenigen Submodalitäten, die auch in ihrer externen Form die stärksten Wirkungen zeigen, bevorzugt ausgewählt: Größe, Helligkeit, Lautstärke, Geschwindigkeit, Entfernung, Lokalisierung etc. (Bandler & MacDonald, 1988/1990).

Bei allen Modellen werden mit Hilfe von Submodalitätsveränderungen (vor allem kinästhetisch-emotionale) interne Zustände abgeschwächt, verstärkt und/oder grundlegend verändert. Dabei ist grundsätzlich zu beachten, daß submodale Veränderungen nur in die jeweils gewünschte Richtung (also z.B. entweder in abschwächende oder in verstärkende Richtung) und nicht etwa (z.B. aufgrund notwendiger Wiederholungen) abwechselnd in beide Richtungen vorgenommen werden. (Ein solcher ständiger Wechsel von z.B. Abschwächen-Verstärken-Abschwächen-Verstärken würde i.d.R. zu einer mehr oder weniger starken Irritation führen.) Um ein derartiges Hin-und-Her zu vermeiden, sollte daher unmittelbar nach jeder gezielten Veränderung die Vorstellung unterbrochen werden, indem die Person z.B. ihre Körperhaltung verändert und ihre Wahrnehmung für einige Augenblicke extern orientiert. Danach kann mit einer etwa notwendigen Wiederholung begonnen werden (Bandler & MacDonald, 1988/1990, S. 91).

Bleibt zu betonen, daß oftmals bereits sehr kleine submodale Veränderungen, besonders innerhalb der kritischen Submodalitäten, ausreichend sein können, um zu großen "Wirkungen auf unser Erleben" (Bandler & MacDonald, 1988/1990, S. 72) zu führen.

Bei der Darstellung der einzelnen Modelle werden die sich wiederholenden relevanten Schritte, die nicht in direktem Zusammenhang mit Submodalitäten stehen (vor allem Rapportherstellung, Problem- und Zielbestimmung, Ressourcensuche, Ökologietests und Überbrückung in die Zukunft), nicht noch einmal explizit aufgeführt; die diesbezüglichen Ausführungen in Kapitel 5 gelten, ebenso wie die weiteren dort beschriebenen Merkmale und Techniken (insbesondere Ankertechniken), prinzipiell für jedes dieser Modelle. Auch auf die wiederholende Erläuterung der generellen Evokations- und Aufdeckungsmöglichkeiten für Strategien und Sub-Strategien (insbesondere der Kontrast- und der Vergleichsanalyse), die als Grundlage für jedes der aufgeführten Veränderungsmodelle angesehen werden können (vgl. 3.2.), wird hier verzichtet.

1 Hierbei wurden die Angaben in der NLP-Literatur vollständig berücksichtigt und zusätzlich Rücksprache mit Robert Dilts gehalten.

2 Jeder NLP-Anwender wird von den NLP-Begründern zu eigener kreativer Entwicklung und Anwendung neuer Veränderungsmodelle angeregt (T. Stahl, persönl. Mitteilung, 1988).

Zurück • Weiter

Dr. Rupprecht Weerth, Bochhorststr. 162, D-48165 Münster, Tel. 02501-924544